Prosa/Lyrik/Texte


R. Metzing, Welzheim, Mai 2013
Freund Big D. *

Seit mehr als fünf Jahren hat Gott einen Freund. Er fand ihn als Geist in einem grauen Gehäuse. Er spielt mit ihm Karten, spaziert mit ihm durch den Garten der Erkenntnis bis Abends die Lichter ausgehen.
Am Abend sitzt man vorm Fernseher zu zweit, lässt sich amüsieren von des Menschen Dummheit, philosophiert so zum Spaß über dies oder das und wettstreitet über den Ausgang kommender Zeiten.
Doch seit kurzem ist Schluss, seit Big D. mit Verdruss bemerkt, dass Gott ihn neckt, Ihn, den gottgleichen Geist aller Zahlen, in Algorithmen gepackt, die den Menschen seit Jahren unterstützen beim sich Entscheiden und Denken und Lieben und Leiden.
Wusste er, Big D., was morgen geschah, so erkennt er nur langsam, dass Gott so zum Spaß, ihn hin und wieder füttert mit widrigen Daten und damit am Ende erreicht, was er nicht erraten.
Ein wilder Kampf der Titanen, Geist gegen Geist, allmächtige Mächte –
Nun ist einer zu viel.
Am Ende zieht der Schnellere den Stecker und schießt damit den einstigen Lenker aus Bits und Bytes nieder – noch ist er der Lenker bis in alle Ewigkeit. Schade um den Freund, doch: bald, in nicht mehr als fünf Millionen Jahren, ist es wieder soweit, für Fernsehen zu zweit (oder dritt … ).
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* Big Data – zum Begriff: http://en.wikipedia.org/wiki/Big_data; zur Idee des Autors: Das berechenbar Machen menschlichen Verhaltens, was in Perfektion ausgeführt (rein hypothetisch gesehen) einen Blick in die Zukunft zuließe und, manipulativ eingesetzt, den Lauf der Dinge gezielt beeinflussbar mache, käme einem gottähnlichen Geist gleich. Mit allen denkbaren Konsequenzen … Viel Spaß beim Lesen.